Forschungsstelle Werteerziehung und Lehrerbildung
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Binationales Seminar: Werte in Europa. 
Deutschunterricht europäisch gestalten

Bericht aus Schönwag

10.06.2019 – 14.06.2019

Nach intensiven Vorbereitungen hat in der Woche nach Pfingsten die Umsetzungsphase für das vom DAAD geförderte Projekt „Werte in Europa“ begonnen: Dazu trafen sich knapp 30 deutsche und italienische Studierende, Referendar_innen und Wissenschaftler_innen der LMU und der Universität Udine unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Anselm (LMU) und Prof. Dr. Sonja Kuri (Universität Udine) in Kooperation mit Winfried Adam (Karolinen-Gymnasium Rosenheim) zu einem Blockseminar im Studienhaus Schönwag in der Nähe des Ammersees.
Ziel war es, die literarischen Ausformungen europäischer Identität(en) und Wertvorstellungen zu erkunden und erste Überlegungen zur Konzeption von entsprechenden Unterrichtsmaterialen anzustellen. Die zugrundeliegende Projektidee geht davon aus, dass Europa als Wertegemeinschaft zu verstehen ist, nicht nur als eine politische und wirtschaftliche Interessensgemeinschaft. Die Erforschung und Stärkung dieses Bewusstseins – einschließlich des Bewusstseins, dass diese Werte trotz eines gemeinsamen Erbes immer auch plural interpretiert werden – ist das Anliegen des Projektes. Die damit verbundene Integrationsleistung ist von nicht unerheblicher Bedeutung. Dass hier wesentliche Bedürfnisse der europäischen Gesellschaften bestehen, liegt auf der Hand. Die Sensibilität für die Pluralität, unterschiedliche Werte zuzulassen sowie die Möglichkeit, kulturell gewachsene Vorstellungen zu erkennen sowie die Notwendigkeit der Reflexion gemeinsam geteilter Werte sind zentral.  

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Um komplexe Fragen der Werteerziehung wie diese zu verhandeln, entstehen gemeinsam mit dem italienischen Partner in der Deutschlehrer_innenbildung an der Universität Udine Materialien, mit denen gegenseitiges Verstehen und zugleich eine Vertiefung der Integration in Europa initiiert werden können. Diese Arbeitsmaterialien werden für universitäre Lehrveranstaltungen wie auch für den mutter- bzw. fremdsprachlichen Deutschunterricht entwickelt.

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Popsongs, Informationsvideos des Auswärtigen Amtes, Wahrnehmungsmodelle europäischer Staaten und europapolitische Fragestellungen boten für die Teilnehmer_innen dabei eine erste Annäherung an das Projektvorhaben. Eine theoretische Einführung von Prof. Sabine Anselm (LMU) zu europäische(n) Literatur(en), möglichen didaktischen Zugängen und den Auswahlkriterien der Texte leitete am zweiten Tag die intensive Lektürearbeit ein, die in deutsch-italienischen Kleingruppen erfolgte.

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Die lyrischen, epischen und auch nichtfiktionalen Texte diskutierten die Gruppen eingehend und stellten dabei erste Überlegungen zu deren Einsatz im Unterricht an. Mittels einer Präsentation auf Plakaten wurden die Ergebnisse allen Teilnehmern zugänglich gemacht.
Am Mittwoch folgte ein Exkursionstag nach München, dabei bekamen die Teilnehmer_innen Arbeit und Konzept der Internationalen Jugendbibliothek in Schloss Blutenburg erläutert, die sich der Idee einer europäischen Literatur bzw. einer Weltliteratur verpflichtet fühlt.

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Auch die aktuell laufende Ausstellung der Jugendbibliothek „Europa illustriert die Grimms“ konnte besichtigt werden.

Der Nachmittag gehörte dann den politischen Dimensionen Europas: Der Vorsitzende der Paneuropa-Jugend Deutschland, Franziskus Posselt, stellte die Geschichte und das gegenwärtige europapolitische Engagement seiner Organisation vor.

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Während in der anschließenden Diskussion die grundsätzliche proeuropäische Orientierung unstrittig blieb, waren Vorstellungen zur konkreten politischen Umsetzung des „europäischen Traums“ beim Referenten weniger klar erkennbar. Im Anschluss daran konnten die Teilnehmer_innen mittels literarischer Texte München auf eigene Faust erkunden und die Lektüre auf der Bahnfahrt zurück an den Ammersee vertiefen.

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Der Donnerstag begann mit einem Vortrag von Professorin Elena Polledri (Universität Udine) zu Europabildern in der deutschsprachigen Literatur von Christoph Martin Wieland bis hin zu Hans Magnus Enzensberger. Die von Prof. Polledri entfaltete Diskurslinie zeigte anschaulich auf, wie stark das Thema Europa nahezu alle (kanonischen) Autoren beschäftigt hatte. „Schriftsteller als Vordiplomaten“ war der Titel des zweiten Vortrags von Dr. Simone Costalgi (Universität Udine), der die Europadiskussionen von Autoren der 1920er Jahre nachzeichnete und damit ein wenig an die Ausführungen von Herrn Posselt anschloss, der sich dem Gründer der Paneuropa-Union, dem altösterreichischen Adeligen und Schriftsteller Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, sehr verbunden fühlte. Am Nachmittag wurde weiter in Kleingruppen an der didaktischen und methodischen Umsetzung der ausgewählten Texte gearbeitet.

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Am letzten Tag des Blockseminars am Freitag stand nochmals die aktuelle Europapolitik im Mittelpunkt: Dieter Reinl, Leiter des Referats Bürgerdialog und Öffentlichkeitsarbeit im Auswärtigen Amt, hielt unter dem Titel „Was geht mich Europa an: Alltag, Werte, Visionen“ einen Impulsvortrag und stellte sich der Diskussion mit dem Blockseminar. In dem lebendigen Gespräch wurde deutlich, dass Begründungszusammenhänge und Wertvorstellungen über das politische Projekt Europa sehr unterschiedlich bewertet und akzentuiert werden können und nicht zuletzt (Hochschul)Lehrern in diesem Diskurs eine besondere Rolle zukommt.

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Insgesamt ermöglichte das Blockseminar einen sehr fruchtbaren Austausch aller deutschen und italienischen Teilnehmer_innen und verband auf geschickte Weise literarische und gegenwartspolitische Aspekte zum Thema Europa.

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 Besonders erfreulich war dabei, dass im Sinne des Projektvorhabens schon erste Unterrichtsentwürfe zu Europa im Deutschunterricht konkrete Gestalt angenommen haben.

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Ein zweites Blockseminar vom 14. bis 18. Oktober in Udine und Triest bringt die beiden Gruppen erneut zusammen und wird die konzipierten Materialien weiter entwickeln.
Am 27. November dieses Jahres findet dann am Münchner Wilhelmsgymnasium München eine umfangreiche Lehrerfortbildung zum Thema „Deutschunterricht europäisch gestalten“ statt, bei der die in den Blockseminar entwickelten Materialien vorgestellt werden sollen.

Winfried Adam/Sabine Anselm

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